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PANDEMIE DES SITZENS

Kürzlich wurde in der Tageszeitung Der Standard wieder ein Thema aufgegriffen, das ich als wichtig einstufe: unsere veränderte Lebensweise. Diese bringt mit sich, dass wir erheblich mehr sitzen als in der Vergangenheit.


Während sich unsere Vorfahren (vor 3-4 Generationen) öfter in der Natur aufgehalten haben, körperlich schwer gearbeitet und die meisten Wegstrecken zu Fuß zurückgelegt haben, verbringen wir – laut Standard – 50 bis 70 Prozent unseres Alltags in der Arbeit und in Verkehrsmitteln sitzend.


Das gilt in ähnlichem Ausmaß auch für Kinder ab dem Schuleintritt. Es ist für mich kaum nachvollziehbar, warum Kindern verordnet wird, in der Schule stundenlang zu sitzen, weil es gerade für Kinder sehr anstrengend ist, stundenlang stillhalten zu müssen. Ihr Bewegungsdrang ist gleichzeitig ein Auslöser von Verarbeitungsprozessen von Informationen über den Körper.


Vorne spricht die Lehrerin stehend und vermittelt Informationen, aber die Verarbeitung bei den Kindern muss sitzend erfolgen. Wenn sie bereits überfordert sind und zu „zappeln“ beginnen, bekommen sie eine Betragensnote. So gewöhnt man Kindern Bewegung ab und so kann es passieren, dass bereits Kinder unter einer der häufigsten chronischen Beschwerden leiden, nämlich unter Rückenschmerzen. Ich kenne kaum Erwachsene, die nicht immer wieder von Rückenschmerzen geplagt wären.


Wenn man von den Statistikzahlen ausgeht, dass jährlich fünf Millionen Menschen an körperlicher Inaktivität sterben und eine steigende Anzahl an gesteigertem Herzerkrankungsrisiko, Diabetes, Verfettung der Organe und einige Krebsarten auch auf Bewegungsmangel zurückzuführen sind, kommt es zu Vorschein, wie gefährlich unsere sitzende Lebensweise ist.

Haben Sie schon mal zusammengezählt, wie viele Stunden am Tag Sie sitzend verbringen?


Menschen, die im Schnitt acht Stunden im Büro sitzen, könnten die körperlichen Folgen mit einer Stunde Bewegung am Tag ausgleichen. Oft würden schon schnelleres Gehen oder Radfahren ausreichen, aber je intensiver die Bewegung, umso besser! Laut WHO wäre zweieinhalb Stunden pro Woche mit moderater Anstrengung ausgeführte Bewegung empfehlenswert, um den sitzenden Lebensstil teilweise auszugleichen. Ich finde zweiendhalb Stunden eindeutig zu wenig, obwohl natürlich besser als gar keine Bewegung.


Wie lässt sich der Ausgleich in den Alltag eines nicht sehr sportlichen Menschen einbauen?


Vielleicht in der Früh doch eine halbe Stunde Laufen gehen? In die Arbeit mit dem Fahrrad fahren oder zumindest eine Teilstrecke zügig zu Fuß zurücklegen, in der Mittagspause spazieren gehen, im Büro nach jeder Stunde aufstehen und sich kurz bewegen, sich nach der Arbeit nicht ins Auto setzen, sondern öffentlich nach Hause kommen.Jede noch so kleine Bewegungseinheit kommt der Gesundheit zu Gute. Wie einfach aber eine Linderung für Schmerzen, Depressionen und chronische Erkrankungen in manchen Fällen sein könnte! Abgesehen von der Stimmung, denn Bewegung erzeugt Glückshormone – also ein Doppelgewinn.

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